Mittwoch, 30. Juli 2008

29. Juli 2008 - pechschwarzer Tag 0 meiner Reise

Eigentlich ist es schon fast lustig, aber lachen werde ich wohl erst können, wenn ich mein Ticket in der Hand halte und mein Gepäck aufgegeben habe. Denn momentan ist es nur zum Heulen...!!!

Meine langersehnte Reise nach Alicante - OK, es waren nur 3 Wochen des Wartens - hat wunderbar idyllisch mit einer Zugfahrt durch die wunderschönen Landschaften Brandenburgs Richtung Berlin begonnen. Am Berliner Hauptbahnhof sollte ich dann den ICE Richtung Dortmund nehmen, um dann hier in den EasyJet-Flieger nach Alicante zu steigen. Diesen ICE habe ich allerdings nie zu Gesicht bekommen. Er fuhr - Dank der Inkompetenz und Blödheit einer DB-Angestellten - ohne mich nach Dortmund.

Da er nicht, wie geplant, am Gleis 14 fuhr, begab ich mich in das DB-Reisezentrum. Hier wollte ich in Erfahrung bringen, von welchem Gleis aus mein Zug startet. Die fette Dame (mit einer furchtbar schlechten Frisur) schaute mich an und sagte im beklopptesten Berliner Dialekt: "Oberleitungsprobleme - der fährt vom Ostbahnhof!" OK, scheisse, aber nichts wie hin zum Ostbahnhof. Dort angekommen suchte ich sogleich den Servicepoint der Bahn auf, wo man mir erstmal meinen Urlaubstraum zerstörte. Der ICE FUHR vom Hauptbahnhof. Die Betonung liegt hierbei auf FUHR, denn er war weg - ohne mich an Bord!!! Und einen anderen Zug, der mich der 3. Heimat nähergebracht hätte, gab es nicht. Bumms!!! Wat nu? Das erste, was mir so spontan einfiel war: HEULEN! Nicht gerade einfallsreich, aber für Kreativität bin ich nun mal nicht gerade bekannt. Es folgte ein hysterisch-heulender Anruf bei...na, bei wem wohl -> Mama. Aber sie konnte mich auch nicht beruhigen, geschweige denn helfen. Gut, jemand Kompetentes muss her -> Sanne! Nach stundenlangem Hin- und Hertelefonieren hier nun die Lösung -> Sanne bucht bei opodo.de 'nen Airberlin-Flug für einen wirklich guten Preis. Von EasyJet verlange ich die Steuern zurück, da ich diesen Flug nie antreten werde - rückblickend bzw. vorwärts-rückblickend, aus privaten Gründen nie angetreten habe. Und bei der Bahn wird Beschwerde eingereicht, da dieser schlechtfrisierte Wal mir 'ne 1a-Falschauskunft gegeben hat! Miese mache ich trotzdem, aber ich hoffe, es hält sich in Grenzen.

Mein bei opodo.de gebuchter Flug geht nun also von Tegel - was für'n glücklicher Zufall, dass ich gerade in Berlin bin...Jedenfalls habe ich dann umgehend den Bus Richtung Tegel genommen, um nicht auf dem mittlerweile verhassten Hauptbahnhof nächtigen zu müssen. Auf der Fahrt habe ich mich noch mit dem Busfahrer, Rainer, 37 Jahre, angefreundet. Ein typischer, aber wenigstens netter Berliner. Gut, verloben würde ich mich nicht gleich mit ihm, auch wenn er es gern gewollt hätte (im Scherz natürlich), aber wenigstens musste ich mal wieder lachen. Dafür war er gut.

So, und nun sitze ich halb liegender Weise im Terminal D in Tegel (aus Terminal A haben sie mich und den Rest unseres Ferienlagers "rausgeschmissen", weil dieses halb 1 schliesst und erst um 4 wieder öffnet). Sobald es wieder arbeitende Menschen in Tegel gibt, werde ich einen Run auf die Info starten, damit die mir sagen, wo dieser verdammte Rewe-Schalter ist, an dem mein Ticket liegt. Denn erst, wenn ich das in Händen halte, ist es sicher, dass ich nach Alicante fliegen werde. Da ich meinen Urlaub betreffend bis jetzt echt vom Pech verfolgt wurde, bin ich jetzt, nachts halb 1, noch nicht sicher, ob ich morgen früh im Flieger sitze oder doch eher im Zug gen Doki. Ich hoffe, es wird der Flieger sein. Opas Geburtstag muss mir Glück bringen!



Jedenfalls hatte ich ganz vergessen zu erwähnen, dass in Tegel Nachtflugverbot herrscht. Somit erklärt sich auch, warum ein ganzen Terminal auf dem grössten Flughafen der Hauptstadt schliesst. Hier gibt es gerade wirklich niemanden mehr (nicht einmal mehr Security-Personal), ausser uns vermeindlich Reisenden (momentan eher "Ruhenden").

Gerade habe ich festgestellt, dass ich die beiden Piccolo-Fläschchen Sekt, die ich für Tina und mich mitgenommen hatte, auf der Toilette in Terminal A (das, was jetzt grad geschlossen ist) vergessen hab. Nun wollte ich mir wenigstens einen auf den ganzen Frust reinpfeifen und nicht mal das hat geklappt :-( Wenigstens trinke ich meinen ersten Kaffee seit 6 Tagen und bisher bekommt er mir ganz gut. Sollte wohl in Zukunft immer einen Schuss Milch reintun. Mein Magen hat mir in den letzten Tagen schmerzlich bewusst gemacht, was ich ihm antue. Schmeckt auch gar nicht sooo schlecht, wenn er nicht pechschwarz ist. Es ist gerade erst halb 2....

Oh man, irgendjemand schnarcht hier. Geht mir grad gewaltig auf die Nerven und dieses monotone Geräusch macht müde. Habe aber nicht vor einzuschlafen. Nachher verpenne ich noch meinen Flug...bei meinem derzeitigen Glück. Was könnte man denn noch tun, um wachzubleiben??? Spazieren gehen? Mit 15 kg Marschgepäck fällt das wohl flach. Es ist gerade 2, glaube ich zumindest. Wissen tue ich es nicht genau, da ich das Handy aus Akkugründen ausgeschaltet habe und weit und breit keine Uhr entdecken kann. Noch 2 Stunden und Terminal A öffnet wieder seine Pforten. Hätte ich mal bloss den Laptop mitgenommen, dann könnte ich wenigstens Solitaire spielen... Der 29.07.2008 - ein schwarzer Tag! Jetzt weiss ich auch, warum ich NIE 27 werden wollte. Ich hoffe nicht, dass das folgende Jahr hält, was der heutige Tag versprochen hat!

Die Nägel sind manikürt, das Beatles- und Green Day-Album durchgehört und es ist halb 4. Halleluja! Fast geschafft! Bald öffnet Terminal A. Bin ich froh, dass man deutsches Wasser aus der Leitung trinken kann, ansonsten wär' ich bestimmt schon 'nen 10er am Getränkeautomaten losgeworden. Allein so'n Finkenbecher Milchkaffee kostet da 1,50 EUR. Der selbe schlechte Trank, den man an der Uni für 0,50 EUR bekommt - Flughafenpreise...

Mich würde interessieren, ob Tina's Nachtzug pünktlich in Dortmund ankommt, so dass sie wenigstens den Flug bekommt.

Nun habe ich doch noch eine Steckdose für's Handy gefunden. Es lädt und es ist 4:09 Uhr, um es ganz genau zu nehmen. Ich sitze gerade zwischen TUI-CheckIn-Point und Zigarettenautomat und warte noch einen Augenblick ab, bis das Telefon wieder genug Saft hat, um eventuell kommende Havarie-Anrufe zu überstehen. Sieht bestimmt ganz schön asi aus. Fehlen nur noch die Pulle Bier und die zerissenen Hosen.



Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Bauchgefühl, dass ich in ein paar Stunden wirklich spanischen Boden unter den Füssen habe.

Die Lichter im Flughafen gehen an. Es ist 4:20 und Tegel wird wieder Leben eingehaucht - neuer Tag, neues Glück?

Eines haben Tina (ihr Nachtzug hatte fast 'ne Stunde Verspätung - sie hätte fast den Flug verpasst) und ich heute gelernt: NIE WIEDER ZUG ZUM FLUG!!!!

An dieser Stelle möchte ich nochmal Sanne danken ohne deren Hilfe ich jetzt am Strand von Bad Erna liegen würde.

Sobald ich einen vernünftigen Computer habe, werde ich Fotos nachladen. Versprochen!

Dienstag, 1. Juli 2008

Hogueras - Fiesta de puta madre!!!!

Nun ist es auch leider schon wieder vorbei - das Fest, auf das sich Alicante das ganze Jahr über vorbereitet hat - die Hogueras. Hoguera bedeutet soviel wie Freuden- oder Lagerfeuer und war ursprünglich ein heidnisches Fest zur Sommersonnenwende. Die Katholiken haben sich diesen Brauch zu eigen gemacht und leuten mit den Hogueras den Tag des San Juan ein. Aber egal, welchen Ursprungs - es ist einfach nur GEIL!!! Die komplette Innenstadt war abgesperrt, in den Straßenzügen waren sogenannte Barracas aufgebaut, was im Prinzip ein mit Bauzaun abgesperrtes Stück Straße ist - einige privat und mit "Türsteher", damit auch ja niemand reinkommt, der nicht dorthin gehört, und einige öffentlich, wo man einfach reinspazieren und feiern konnte. An jeder Straßenecke standen haushohe Figuren, die Unmengen an Geld kosten (die größten ca. 130.000 EUR pro Stück, dazu gehören auch die beiden auf den Fotos - natürlich handelt es sich hierbei um einen Wettbewerb bei der die schönsten prämiert werden), eine Karikatur von irgendetwas darstellen und am 5. Tag einfach niedergebrannt werden. Ein Jammer, aber auch wiederum ein Schauspiel, dass seinesgleichen sucht.

Meine beiden Lieblingsfiguren, wobei die linke vom Rathaus gestiftet wurde und somit außer Konkurrenz war


Und das ist alles, was nach einer ca. 20-minütigen Brenndauer übrig bleibt

So hat Alicante 5 Tage lang gefeiert und gefeiert und gefeiert. Bis Früh um 5 und ab Früh um 9 ging es weiter. Da die Spanier alles toll finden, was laut ist, sind einem auch pausenlos Böller um die Ohren geschmissen worden, so dass ich teilweise nur noch mit Ohropax vor die Tür gegangen bin. Angst hatte! Mag das Geknalle nicht - anders gesagt: ich HASSE es!!! Aber verhindern kann man es nicht. Selbst Eltern zünden mit Ihren kleinen Windelkackern die Dinger. Und die Kinder plärren nicht vor Schreck (wie es die deutschen tun würden), sondern freuen sich umso mehr, je lauter es ist... Hätte am liebsten alle umgebracht, wenn ich nicht andauernd mit wegrennen beschäftigt gewesen wäre...

Nach den Hogueras ging die Fiesta nahtlos weiter. Die Freßbuden wurden größtenteils gar nicht erst abgebaut, denn ab Mittwoch gab es um Mitternacht täglich ein Feuerwerk am Strand - bis Sonntag - jeden Tag 20 - 30 Minuten. Das war, wie bei den Figuren, natürlich auch wieder ein Wettbewerb. Einfach so wär ja langweilig. Aber schee war's. An 5 Tagen 5 tolle Feuerwerke zu sehen, das wird wohl so schnell nicht mehr passieren. Und solange es sich um kontrolliertes Geknalle handelt, kann ich daran auch durchaus megagroßen Gefallen finden.

Außerdem gab es ja dann noch die EM. Auch wenn sich die Spanier (zumindest die in Alicante) erst ab dem Viertelfinale dafür zu interessieren begannen. Das Endspiel haben wir (7 Deutsche) inmitten von 300 Spaniern geschaut - Gott sei Dank hat Spanien gewonnen - sonst hätte es 7 tote Deutsche gegeben. Aber im Ernst - im freue mich für Spanien, weil es einfach ein verdienter Sieg gewesen ist - vor allem, wenn man die Leistung über das ganze Turnier betrachtet und dann mit der deutschen vergleicht. Ist zumindest meine Meinung, auch wenn ich mir so sehr einen Sieg gewünscht hätte. Schon allein, um mir den Sieg in unserem Alicante-EM-Tippspiel zu sichern. So mußte ich mir Platz 1 mit Heidi (aus Österreich) teilen, da sie für Spanien getippt hatte. Aber auch gut. Dabei sein ist alles und ich konnte meinen Einsatz verdreifachen.


Vor und nach dem Spiel - wie unschwer zu erkennen ist

Mittlerweile sitze ich schon auf halbgepackten Koffern. Freitag rückt immer näher und somit meine Heimreise. Meine Abschiedssentimentalität wird von der Prüfungsangst vor BDVA stark überschattet, so dass ich einfach nur dieses Teil schreiben und bestehen will. An mehr kann ich fast gar nicht mehr denken. Komme ja im August eh wieder her (zwar nur 2 Wochen, aber besser als nix) und kann dann meinen Tränen freien Lauf lassen.

Bis bald - einige von Euch sehe ich hoffentlich schon am Freitag wieder. Ab Samstag oder Sonntag (wahrscheinlich eher Sonntag) bin ich dann erstmal wieder in Dresden.

Liebste Grüße :-)